Ein beeindruckendes Beispiel für diese Zusammenarbeit ist der Verein „Kitzrettung Rheinhessen e.V.“, der Anfang 2023 gegründet wurde. Vorsitzender ist Jens Klasen aus Albig, unterstützt von der zweiten Vorsitzenden Petra Sander aus Eich. Das Team besteht aktuell aus rund 20 engagierten Mitgliedern, darunter fünf ausgebildete Drohnenpiloten.
Sobald Landwirte melden, dass sie ihre Wiesen in den kommenden Tagen mähen möchten, werden Petra Sander und Jens Klasen aktiv. Im Auftrag übernehmen sie die Kitzrettung, denn die Landwirtschaft steht hier in der Pflicht.
In den frühen Morgenstunden, wenn die Wiesen noch kühl sind, startet der Einsatz. Mithilfe von Drohnen mit Wärmebildkameras werden die Flächen systematisch abgesucht. Diese Technik ermöglicht es, die im hohen Gras liegenden Tiere zuverlässig aufzuspüren. Sobald ein Kitz entdeckt wird, navigiert der Drohnenpilot die Helfer gezielt zur Fundstelle, wo die Tiere vorsichtig in mit Gras ausgelegte Körbe gelegt und abgedeckt werden. Nach dem Mähen werden die Kitze wieder zurück in ihr ursprüngliches Gebiet gebracht, wo die Muttertiere sie bereits aus sicherer Entfernung beobachten. Besonders junge Kitze, die erst wenige Tage alt sind, verlassen sich auf ihren Instinkt: Sie drücken sich regungslos ins Gras, anstatt zu fliehen. Ein Verhalten, das sie normalerweise schützt, bei Mäharbeiten jedoch lebensgefährlich wird. Ältere Tiere versuchen hingegen zu flüchten und stellen die Helfer vor zusätzliche Herausforderungen. Ein Einsatz dauert in der Regel etwa vier Stunden. Für Petra Sander sind es vor allem die besonderen Momente, wie z.B. die Rettung eines Kitzpärchens, die den Einsatz unvergesslich machen. „Diese Aktion liegt mir sehr am Herzen“, betont sie.
Die Saison der Kitzrettung erstreckt sich von April bis Juni, teilweise auch bis in den Juli hinein. Neben Rehkitzen werden auch andere Wildtiere wie Hasen, Füchse oder Gelege von Bodenbrütern entdeckt und geschützt. Trotz größter Sorgfalt gibt es keine hundertprozentige Garantie, doch der Einsatz der Drohnentechnik erhöht die Erfolgsquote erheblich. Auch wenn Drohneneinsätze nicht immer Tiere aufspüren, sorgen sie dennoch für Beruhigung.
Die Kitzrettung funktioniert nur durch gute Kommunikation und Zusammenarbeit aller Beteiligten. Der Verein arbeitet eng mit anderen Initiativen wie z.B. der Kitzrettung Gimbsheim e.V. zusammen, um größere Flächen wie beispielsweise die Rheinwiesen effizient abzusuchen.
Da der Verein auf Spenden angewiesen ist, ist jede Unterstützung willkommen. Ebenso werden stets freiwillige Helfer gesucht, die bei den Einsätzen mit anpacken. Die Arbeit der Kitzrettung Rheinhessen e.V. zeigt eindrucksvoll, wie moderne Technik, freiwilliger Einsatz und gute Zusammenarbeit Tierleben retten können. Sie ist ein starkes Beispiel dafür, wie Mensch und Natur im Einklang handeln können und wie wichtig es ist, Verantwortung für unsere Umwelt zu übernehmen.
Weitere Informationen erhalten Sie über die Webseite: www.kitzrettungrheinhessen.de

